3.4.21

Truncated Corners Cube

In die Reihe der 3x3x3-Würfel mit abgeschrägten Kanten oder Ecken gehört auch der Truncated Corners Cube:

Aber anders als bei Rubiks Barrel oder dem Diamond Cube sind diesmal die Ecken nur teilweise abgeschrägt und weiß gefärbt. Damit bleibt die volle Information des zugrundeliegenden 3x3x3-Würfels erhalten und die abgeschrägten Ecken sind rein kosmetischer Natur: Es handelt sich um einen vollwertigen 3x3x3-Würfel. 

Erscheinungsjahr: 1980er

Google: Truncated Corners Rubik Cube
Shopping: Kaum lieferbar.

Diamond Cube

Ähnlich Rubiks Barrel wurden auch beim Diamond Cube einige Ecken weiter abgeschrägt: Es entsteht näherungsweise ein Rhombenkuboktaeder. Technisch gesehen entsteht der Körper aus einem 3x3x3-Rubik-Würfel, indem man Ecken und Kanten soweit abschleift, bis sie flach sind. Meist ist der Diamond Cube nur dreifarbig gefärbt, was ihn zu einem vergleichsweise einfachen Geduldspiel macht. 


Namenskollisionen: Achtung, es gibt viele ganz verschiedenen Geduldspiele mit dem Namen Diamond Cube.

Design:  David W. Brooks, Patent siehe [1]
Erscheinungsjahr: 2003

Google: Diamond Cube Rubik
Shopping: Schlecht lieferbar, Preis 5-10€

Mehr Info:

Magic Octagonal Prism / Rubiks Barrel

Seit den ersten kommerziellen Erfolgen des 3x3x3-Rubik-Würfels wurde darüber nachgedacht, wie man ohne große technische Veränderungen Nachfolgeprodukte herstellen kann. Eine naheliegende Idee bestand darin, nur die äußere Form des Würfels leicht abzuändern, indem man einige Steine anders formt. Damit entsteht aus dem 3x3x3-Würfel ein anderer Körper, der wieder aus drei Schichten in jeder Dimension besteht, aber anders aussieht. Die abgebildeten Magic Octagonal Prism (oder Barrel) gibt es seit den 1980er Jahren.

Die Lösung ist etwas einfacher als beim 3x3x3-Würfel, da die senkrechten Kanten- und Ecksteine in der Mittelschicht hier ein- und zwei- statt zwei bzw. dreifarbig sind. Dadurch können sich Situationen mit beispielsweise scheinbar nur einem falsch sitzenden Stein ergeben, was beim 3x3x3-Würfel aus Paritätsgründen unmöglich ist.

Durch wiederholte Drehungen verliert das Geduldspiel seine Form, die abgeschrägten Ecken können in andere Positionen gedreht werden, so dass einzelne Teile aus dem Körper herausragen.


Erscheinungsjahr: seit 1980er Jahre

Shopping: Lieferbar, Preis 5-10€

Rubik-Würfel / Zauberwürfel (Übersicht)

Für viele startete die ernsthafte Beschäftigung mit Geduldspielen mit dem Rubik-Würfel, im deutschen Sprachraum auch oft Zauberwürfel genannt. 

Alles begann im Jahr 1974 mit dem 3x3x3-Würfel von Ernő Rubik: Im Ausgangszustand ist der Würfel auf jeder Seite einfarbig. Der Würfel ist in jeder Richtung in drei gleichhohe Schichten unterteilt, die sich jeweils einzeln in 90Grad-Schritten drehen lassen. Nach wenigen solchen Drehungen geraten die Elementarwürfel heillos durcheinander und die Aufgabe besteht darin, die farbliche Ordnung wieder herzustellen.

Das Geduldspiel ist faszinierend, weil vorher nichts Vergleichbares bekannt war und weil es ohne eine ausführliche Analyse der Auswirkungen von gewissen Zugfolgen praktisch nicht lösbar ist. Theoretisch anspruchsvoll ist auch die zugrundeliegende Mathematik  aus dem Bereich der Gruppentheorie. Aus diesem Grund war der Rubik-Würfel unter Mathematikern schon gut bekannt, bevor er seinen Siegeszug in den Spielzeugläden antrat.

Mittlerweile gibt es sie in verschiedenen Größen, teilweise mit exzellenter Mechanik und mit unterschiedlicher Gestaltung des Äußeren. Zunächst waren alle Würfelkörper schwarz und mit farbigen Aufklebern versehen. Später gab es alternativ weiße Grundkörper, mittlerweile sind fast alle Farben möglich. Die letzte Neuerung sind "durchgefärbte" Außenteile: Statt farbiger Aufkleber bestehen die entsprechenden Seitenteile aus Kunststoff in der passenden Farbe.

Auch die Mechanik übte Faszination aus, da eigentlich niemand glauben wollte, dass ein derart beweglicher Würfel machbar ist. Aber das alles war erst der Anfang einer langen und zu Beginn kaum vorstellbaren Geschichte: Mittlerweile gibt es mehr als 5000 verschiedene Drehpuzzles (engl. twisty puzzles), siehe [1]. Viele ganz verschiedene Körper sind zu Drehpuzzles geworden: Würfel und Quader anderer Seitenlängen, andere Polyeder wie Tetraeder oder Dodekaeder oder auch Kugeln oder eiförmige Körper sowie scheinbar völlig unregelmäßige Körper.

Hier wollen wir uns zuerst mit den "offensichtlichen" Rubik-Würfeln beschäftigen: Sie sehen aus wie Rubik-Würfel und verhalten sich auch so: Die Schichten lassen sich einzeln jeweils um 90 Grad drehen, und weitere Drehungen sind nicht möglich.

Rubik-Würfel von 1x1x1 bis 7x7x7

Zauberwürfel mit anderen Seitenlängen: Nach dem 3x3x3-Zauberwürfel wurden auch Zauberwürfel mit anderen Seitenlängen hergestellt: 

  • 1980: 2x2x2 Pocket Cube: Ernő Rubik und andere
  • 1981: 4x4x4 Rubik’s Revenge / Rubik’s Master Cube: Peter Sebestény
  • 1983: 5x5x5: Professor’s Cube
  • 2008: 6x6x6: Der Würfel mit der größten Seitenlänge in der klassischen Würfelform. Rubik-Würfel mit größerer Seitenlänge sind entweder nach außen gewölbt oder die äußeren Schichten sind deutlich stärker. Anderenfalls würden sich Eckwürfel bei der 45Grad-Drehung einer Schicht sich vollständig außerhalb des Würfelkörpers befinden. Dies wird sehr schön im Video [4] erklärt.
  • 7x7x7 bis 17x17x17: Diese Größen sind in Serienfertigung und lieferbar.
  • Weltrekord: Noch größere Würfel sind Einzelanfertigungen mit 3D-Druck, der momentane Weltrekord (2021) steht bei 33x33x33 [3].
  • Und Spaßvögel bieten der Vollständigkeit halber noch den 1x1x1-Würfel an. 

Absolute Schwierigkeit: Bei der Beschreibung der Schwierigkeit müssen wir diesmal anders vorgehen. Normalerweise ist ein Geduldspiel sehr schwierig, wenn es binnen einiger Stunden lösbar ist für jemanden, der noch kein derartiges Geduldspiel gesehen hat. In diesem Sinne sind die Zauberwürfel alle extrem schwierig. Aber wenn man einmal ein Lösungsverfahren einigermaßen gut kennt, kann man es immer wieder passend für die jeweilige Situation anwenden. Leute, die sich bemühen, Zauberwürfel möglichst schnell zu lösen, heißen Speed-Cuber und lösen den 3x3x3-Zauberwürfel binnen weniger Sekunden. Der Rekord liegt bei deutlich unter 5 Sekunden [2].

Relative Schwierigkeit: Jetzt wollen wir die Schwierigkeiten der Zauberwürfel in Abhängigkeit von der Seitenlänge betrachten. Fast jeder beginnt mit dem 3x3x3-Zauberwürfel. Wer den lösen kann, hat auch mi einem 2x2x2-Würfel keinerlei Schwierigkeiten: Man ignoriert beim 3x3x3-Würfel einfach die mittlere Schicht in jeder der drei Richtungen (d.h. man dreht sie nach Belieben oder auch gar nicht). Die Züge entsprechen dann denen des 2x2x2-Würfels und der Algorithmus für die Ecken des 3x3x3-Würfels löst automatisch den kleineren 2x2x2-Würfel. Es gibt eine kleine zusätzliche Schwierigkeit: Es kann passieren, dass genau zwei der Eckwürfel vertauscht sind. Das ist beim 3x3x3-Würfel unmöglich und liegt daran, dass jetzt bei unserem 3x3x3-Modell für den 2x2x2-Würfel die (von uns ignorierten) Seitenmitten die falschen Farben haben.

Beim 4x4x4-Würfel wird es etwas komplizierter: Zwar können Ecken und Kanten wie bei den kleineren Würfeln gelöst werden, aber zusätzlich gibt es erstmalig bewegliche Elemente im Inneren der Seitenflächen. Hier muss ein zusätzlicher Algorithmus her, die diese an die korrekte Stelle bringt. Algorithmisch gesehen steckt auch im 4x4x4-Würfel ein 2x2x2-Würfel, wenn man jeweils die beiden inneren Schichten ignoriert. Aber auch ein 3x3x3-Würfel steckt im 4x4x4-Würfel: Das sieht man, wenn man die beiden inneren Schichten jeweils synchron dreht. Dann bleiben die vier Mittelstücken immer schön zusammen.

Bei den größeren Würfeln wird es algorithmisch nicht mehr komplizierter, es müssen keine neuen Zugfolgen mehr entdeckt und gelernt werden. Man muss nur aufpassen, jeweils die passende Schicht zu drehen. Trotzdem wird die Lösung größerer Würfel aufwändiger: die Zahl der beweglichen Teile auf der Würfeloberfläche steigt: Ihre Anzahl berechnet sich aus dem Würfelvolumen minus des Volumens eines um zwei kleineren Würfels im Inneren und beträgt n³-(n-2)³ = n²-12n+8. Beim Weltrekordwürfel der Größe 33x33x33 sind dies mehr als 6.000 bewegliche Teile, die nacheinander an ihren Platz gebracht werden müssen. Auch werden größere Würfel schwer und unhandlich, was den Aufwand weiter erhöht.

Lösungsalgorithmen: Für die verschiedenen Zauberwürfel gibt es jeweils relativ einfache und leicht zu lernende Algorithmen für Anfänger und auch kompliziertere Algorithmen für Fortgeschrittene oder Speed-Cuber. Die komplexeren Algorithmen sind schwieriger, erlauben aber elegantere Lösungen mit weniger Zügen. Eine schöne Übersicht über verschiedene Lösungsalgorithmen auch für andere Twisty Puzzles ist der Freshcuber-Blog [5]. Ein Anfänger-Video von Roland Frisch finden Sie unter [6].

Mehr Info: 

[1] Übersicht über "alle" Twisty Puzzles: TwistyPuzzles.com
[2] Geschwindigkeitsrekorde beim Speed-Cubing: http://www.recordholders.org/de/list/rubik.html
[3] Der 33x33x33-Zauberwürfel: https://www.youtube.com/watch?v=NqJC3YxfcyM
[4] Mechanik des 6x6x6-Würfels: https://www.youtube.com/watch?v=5Lw6GniCkUk
[6] Lernvideo für Anfänger: https://youtu.be/VnBmw2jise4

31.3.21

Crazy curves

So genannte Polysticks werden als zusammenhängende Stücke aus einem quadratischen Gitter herausgeschnitten, wobei das Gitter nur in den Knoten zerteilt werden können. Polysticks, die aus genau vier Gitterstäben bestehen, werden Tetrasticks genannt. Es gibt insgesamt sechzehn Tetrasticks, die sich noch weiter unterteilen lassen:
  • Es gibt 7 spiegelsymmetrische Tetrasticks, die restlichen 9 verändern ihre Form beim Wenden.
  • Es gibt 10 lineare Tetrasticks (die aus einem unzerteilten Stück Draht der Länge vier gebogen werden können) sowie sechs sich verzweigende Tetrasticks. Um diese aus Draht herzustellen, muss man (mindestens) ein Stück abschneiden und an anderer Stelle (irgendwo „in der Mitte“) wieder anlöten.
  • Von diesen sechs verzweigten Tetrasticks sind vier asymmetrisch.

Ein 4x4-Gitter besteht aus 40 Gitterstäben, die man mit 10 Tetrasticks füllen soll. Das Puzzle besteht aus einer flachen Dose mit einem Plexiglasdeckel. Im Boden ist das Gitter ausgespart, so dass sich die Tetrasticks aus Kunststoff sehr leicht anordnen lassen. Fünf der Tetrasticks enthalten eine Verzweigung, alle Tetrasticks sind unsymmetrisch und können deshalb umgewendet werden.

Mehr Informationen über Tetrasticks findet man z.B. bei [1]. 

Schwierigkeit: Zehn Steine aus jeweils vier Sticks klingt nach einer lösbaren Aufgabe. Ganz einfach ist es allerdings nicht, einige Versuche sind schon nötig, um auch den letzten Tetrastick unterzubringen. Fazit: mittelschwer.

Hersteller:  Ucube

Shopping: Neu oder gebraucht vereinzelt lieferbar, Preis 5-10€

Mehr Infos:
[1] https://puzzler.sourceforge.net/docs/polysticks-intro.html

Perspektivwürfel II

Die Aufgabe des Perspektivwürfels 2 ist ähnlich wie beim schräglichen Würfel: Aus neun hölzernen Teilen soll ein perspektivisch verzerrter 3x3x3-Würfel zusammengesetzt werden. Dabei sieht die Verzerrung genauso aus: Wir stellen uns ein Kantenmodell des Würfels vor, welches auf einer Ecke steht, so dass die von dieser Ecke ausgehende Raumdiagonale senkrecht auf der Grundebene steht. Dann drücken wir von oben auf die oberste Ecke, so dass die Raundiagonale etwa auf die Hälfte gestaucht wird. Die genauen Maße sind für das Geduldspiel nicht wichtig. Als Ergebnis erhält man ein gleichseitiges Parallelepiped, das ist ein Körper mit sechs kongruenten Rhomben als Seitenflächen. 

Jetzt betrachten wir uns die Steine näher: Es gibt nur zwei Typen von Steinen, nämlich drei kleine "Würfel" und sechs 1x2x2-"Quader". Die Bezeichnungen Würfel bzw. Quader wären korrekt, wenn die perspektivische Verzerrung nicht wäre.

Vielleicht ist es eine gute Idee, sich das Geduldspiel erst einmal ohne perspektivische Verzerrung vorzustellen? Beim schräglichen Würfel war das zugrundeliegende "unverzerrte" Geduldspiel der Somawürfel. Durch die Verzerrung gibt es insgesamt mehr verschiedene Poly"kuben", die für das Geduldspiel aber nur zum Teil verfügbar sind. Damit gibt es insgesamt weniger Lösungen und das Geduldspiel wird komplizierter. Aber trifft das auch hier zu?

 

Hersteller und Artikelnummer:  Jean Claude Constantin, P170

Shopping: Nicht lieferbar.

28.3.21

The Sherlock

Kategorie: Trickschlösser

Der Name des Trickschlosses ist ein Wortspiel zwischen dem Vornamen Sherlock (natürlich von Sherlock Holmes) und dem englischen Wort lock (dt.: Schloss). Das Schloss hat von vorn gesehen eine normale Größe, ist aber verblüffend flach: Es ist ist aus Messingblech gefertigt und nur knapp 4mm dick. Trotzdem hat es im Inneren einen Mechanismus, den man erst einmal herausbekommen muss. Es ist mehr als eine einfache Bewegung notwendig und mit einer Hand ist es auch nicht zu schaffen. Wahrscheinlich überflüssig ist die Bemerkung, dass das Schlüsselloch reine Zierde ist.


Im geöffneten Zustand sieht man leider auch nicht viel mehr. Oder?

 


Hersteller: Bits & Pieces (?)

Shopping: Nicht lieferbar.

Stäbe mit Kerben: Selbst entwerfen

Hier soll vorgestellt werden, wie man sich ein Geduldspiel aus Stäben mit Kerben selbst entwerfen kann.

1. Versuch: Das ganz naive Herangehen würde darin bestehen, sich mit einer passenden Anzahl Stäbe zu versorgen, die möglichen Positionen für die Kerben zu markieren und an einigen dieser Positionen Kerben einzufügen. Aus der Lösungsstrategie für solche Geduldspiele wissen wir, dass wir einen Stab ohne Kerben haben sollten, zwei mit je einer Kerbe, zwei mit je zwei Kerben usw. und zum Schluss noch einen Stab mit der maximal möglichen Anzahl von Kerben. Wir wissen aber vorher nicht, ob ein so konstruiertes Geduldspiel auch lösbar ist.

2. Versuch: Wir suchen also nach einem Verfahren, welches und die Lösbarkeit garantiert. Erklärt werden soll es an Hand des ABL-Pin-Puzzles: Wir benötigen den massiven Block in der Mitte, um die Stäbe mit Kerben zu versehen. Zunächst haben unsere Stäbe keinerlei Kerben. Wir nehmen den ersten Stab und führen ihn durch ein Loch unserer Wahl durch den Block. Danach kommt der zweite Stab durch ein Loch senkrecht zum ersten. Leider wird der zweite Stab innen irgendwo durch den ersten Stab blockiert. Wir nehmen den zweiten Stab wieder heraus und bohren uns das Loch mit der Bohrmaschine frei. Dabei hat der erste Stab seine erste Kerbe erhalten und jetzt passt der zweite Stab durch das Loch. Für jeden weiteren Stab bohren wir wieder zuerst das Loch frei und führen ihn dann ein. Wenn alle Stäbe eingebaut sind, haben wir das gelöste Geduldspiel vor uns liegen.

DIY-Tipp: Wenn wir jetzt noch an 3D-Druck statt Holzbearbeitung denken, wird die Herstellung der Stäbe noch einfacher: Die 3D-Konstruktion erlaubt die "Subtraktion" einzelner Teile als Ersatz für das Bohren.

Wenn man im linken Bild vom gelben Zylinder den grauen Zylinder "subtrahiert", erhält man den Stab mit Kerbe im rechten Bild. Wir können das gesamte Geduldspiel also am Bildschirm entwerfen und erst zum Schluss drucken.

Übrigens gibt es analog zu den zweidimensionalen Geduldspielen mit quadratischem Rahmen auch dreidimensionale Versionen mit würfelförmigen Rahmen. Die entsprechende dreidimensionale Entwurfssoftware findet sich bei Thingiverse.


Crux

Acht Stäbe mit Kerben sollen von verschiedenen Seiten in einen entsprechend angebohrten Holzblock eingeführt werden. Das Geduldspiel  ist asymmetrisch: Dabei sind die acht Löcher nicht vollständig durchgebohrt, sondern von jeder der vier Seiten sieht man nur zwei Löcher. Dadurch sind die Stäbe, die von gegenüberliegenden Seiten eingeführt werden, leicht (und zwar um genau eine Kerbenposition) versetzt. Das macht die Auswahl der der Stifte bei der Lösung etwas komplizierter als bei anderen Geduldspielen mit eingekerbten Stäben, da derselbe Stab seine Kerben an verschiedenen Spalten im Block positioniert, je nachdem, ob er von rechts oder links eingeführt wird.

Das Geduldspiel steckt in einem Karton, der nur wenig größer ist als Holzblock: Das ungelöste Geduldspiel passt hinein, das gelöste Geduldspiel leider nicht. Wenn man das Geduldspiel  also nach Jahren in der Kiste wiederfindet, muss man es nochmal lösen. Ein Begleitzettel mit Lösung liegt sicherheitshalber bei.

Schwierigkeit: Die Situation ist ähnlich wie bei den anderen Geduldspielen mit eingekerbten Stäben in einem Rahmen: Wenn man das Geheimnis hinter diesen Geduldspielen kennt, macht es auch die zusätzliche Asymmetrie nur ein wenig schwieriger.

Jeder Stab hat fünf Positionen, an der sich Kerben befinden können. Da jedoch keine Kerbe außerhalb des Blocks liegen kann, werden bei der üblichen Nummerierung nur Nummern bis 15 vergeben.

Die Kerben verteilen sich auf die acht Stäbe wie erwartet:

  • Es gibt einen Stab ohne Kerben (Nummer: 0),
  • zwei Stäbe mit jeweils einer Kerbe (Nummern: 1 und 2),
  • zwei Stäbe mit jeweils zwei Kerben (2x Nummer 6),
  • zwei Stäbe mit jeweils drei Kerben (Nummern: 13 und 14) und
  • einen Stab mit vier Kerben (Nummer: 15).

Die insgesamt 16 Kerben sorgen dafür, dass bei der Lösung keine Hohlräume verbleiben.

Die Stäbe in aufsteigender Reihenfolge der Nummern.


 

 

Hersteller und Artikelnummer:  Haba 2487

Shopping: Noch lieferbar, Preis ca. 10€

27.3.21

Unlösbar: 14-15-Puzzle

Kategorie: Boss Puzzle / 15er Spiel

Die 15 Steine des 15er-Spiels werden zunächst gemischt und in beliebiger Reihenfolge in die 4x4-Kiste einsortiert. Danach sollen sie durch das verschieben einzelner Steine zeilenweise in die natürliche Reihenfolge von 1 bis 15 gebracht werden (mit dem Leerfeld unten rechts). Manchmal kann man diese Aufgabe relativ schnell lösen, manchmal scheint es unmöglich. Um 1880 war in den USA ein wahres Spielfieber rund um das 15er-Spiel ausgebrochen.  Anders als viele dachten, hängt die Lösbarkeit des 15er-Spiels aber nicht von der Qualifikation oder der Tagesform des Spielers ab, sondern von der Ausgangsposition: Bei genau der Hälfte aller Ausgangspositionen ist die Lösung möglich, bei der anderen Hälfte nicht.

Die uns interessierende Aufgabe besteht darin, dass durch eine Folge von Zügen genau zwei Steine (und zwar die 14 und die 15) ihre Plätze tauschen sollen und alle anderen Steine vorher und nachher an ihrer Startposition stehen sollen.

Hier die Kurzfassung für Mathematiker: Ist die Startkonfiguration eine gerade Permutation der natürlichen Reihenfolge, so ist die Lösung möglich. Im Falle einer ungeraden Permutation nicht. Die Unmöglichkeit sieht man folgendermaßen: Wir denken uns das Leerfeld als einen zusätzlichen Stein. Jede Bewegung eines normalen Steins ist eine Vertauschung (Transposition) dieses Steins mit dem Leerfeld. Startet man mit dem Leerfeld unten rechts und endet mit dem Leerfeld an der selben Stelle, dann hat man insgesamt eine gerade Anzahl von Transpositionen, d.h. eine grade Permutation ausgeführt. Die geforderte Vertauschung von 14 und 15 ist aber eine ungerade Permutation.

Es gibt auch eine etwas längere Erklärung, die kein Hintergrundwissen über Permutationen benötigt. Wir folgen hier der Darstellung in der Wikipedia: Zu jeder Anordnung der Steine ermitteln wir eine natürliche Zahl N=N1+N2, von der nur die Parität wichtig sein wird, d.h. ob sie gerade oder ungerade ist. Ein beliebiger Zug des 15er-Spiels wird diese Parität nicht ändern, so dass Anordnungen mit geradem N niemals in eine Anordnung mit ungeradem N überführt werden können.

Die Bestandteile von N berechnen sich folgendermaßen: N1 (der Ordnungsparameter) zählt, wieviele Paare von Steinen in der falschen Reihenfolge stehen: Im Startzustand ist er =0, bei der Aufgabe mit vertauschten Zahlen 14 und 15 ist er =1, und im schlimmsten Fall, wenn die Zahlen rückwärts von 15 bis 1 eingeordnet sind, stehen alle Paare falsch herum, das sind 14*15/2=105. Die Zahl N2 (der Reihenparameter) gibt einfach nur an, in der wievielten Zeile sich die Leerstelle befindet. Bei der Endposition ist also N2=4.

Jetzt müssen wir noch zeigen, dass sich bei einem beliebigen Zug die Polarität von N nicht ändert. Bei waagerechten Zügen ist das ganz klar, da ändern sich weder N1 noch N2. Ein senkrechter Zug entspricht einer Verschiebung des Steins um vier Plätz nach vorn oder zurück. Er überspringt sozusagen drei Steine, und dadurch ändert sich die Reihenfolge für genau drei Paare. Damit ändert sich N1 um 1 oder 3 nach oben oder nach unten, also insgesamt um eine ungerade Zahl. Zusätzlich ändert sich N2 um 1, so dass die Änderung von N insgesamt geradzahlig ist (sie kann auch 0 sein). Auf jeden Fall bleibt die Polarität erhalten. 

Wenn man nun durch eine Zugfolge nur die Steine 14 und 15 vertauschen könnte, müsste sich N von 0 zu 1 ändern, das ist aber wegen der unterschiedlichen Polarität nicht möglich.

Schlussfolgerung: Manchmal haben wir ein 15er-Spiel vor uns, bei dem die Steine nicht mit aufeinanderfolgenden Zahlen, sondern mit Teilen eines Bildes oder Buchstaben versehen sind. Wenn dann zwei Steine identisch sind, so ist dieses 15er-Spiel jede verlangte Anordnung der anderen Steine lösbar. Es gibt immer eine der zwei Anordnungen für die zwei identischen Steine, so dass die gewünschte Polarität vorliegt. Diese Regel "Wir können ja noch die zwei identischen Steine vertauschen." wird sich als nützlich erweisen.

Frage: Der Beweis oben benutzt, dass es sich bei dem Feld der Größe 4x4 handelt, und zwar an der Stelle, dass bei einem senkrechten Zug genau drei Steine übersprungen werden und drei ungerade ist. Wie ist die Situation bei einem verkleinerten Spiel mit einem Spielfeld der Größe 3x3 und acht Steinen: Lassen sich dann zwei Steine vertauschen?


15er-Spiel / Schiebefax / Boss Puzzle (lose)

Kategorie: Boss Puzzle / 15er Spiel

Als das Geduldspiel gegen 1874 erfunden wurde, bestand das 15er-Spiel einfach aus 15 kleinen Quadraten in einer 4x4-Kiste; es gab noch kein Schienensystem, welches die Steine daran hindert, aus dem Rahmen zu fallen. Auch heute ist diese Version noch gelegentlich erhältlich. Manchmal wird noch ein Stein Nr. 16 mitgeliefert, mit dem man in einer zusätzlichen Aufgabe ein magisches Quadrat legen soll. Das soll hier unberücksichtigt bleiben, der Stein mit der 16 wird ggf. beiseitegelegt. Man soll jetzt die 15 Steine einfach herausnehmen, mischen, und in zufälliger Reihenfolge in die Kiste packen. Die Aufgabe besteht natürlich wieder darin, die Originalreihenfolge der fünfzehn Zahlen herzustellen. 

Leider klappt das nicht immer so einfach wie in dem Falle, dass sich die Steine in einem Rahmen bewegen und nicht herausgenommen werden können: Manchmal bleiben zwei Zahlen (z.B. die 14 und 15) in verdrehter Reihenfolge stehen. Deshalb gibt es die folgende Fragestellung für das 15er-Spiel: Gegeben sei das 15er-Spiel bei dem die Zahlen 1 bis 13 an ihrer natürlichen Position stehen, aber die 14 und 15 vertauscht sind. Wie lassen sich diese beiden Steine durch die üblichen Bewegungen vertauschen, so dass alle Steine an Ihrer korrekten Position stehen?

Diese Fragestellung beschäftigte um 1880 herum viele Menschen und wird seitdem 14-15-Puzzle genannt. Für die Lösung war ein nicht unerhebliches Preisgeld von 1000$ (das war mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Jahreseinkommens) ausgesetzt. Immer wieder behaupteten Menschen, die Lösung gefunden zu haben, konnten ihre Lösung aber nicht vor den Augen kritischer Zuschauer wiederholen. Angeblich haben Bauern darüber versäumt, ihre Felder zu bearbeiten und so Haus und Hof verloren. Die gesamte Geschichte dieses Geduldspiels wird in [1] erzählt.

Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/15-Puzzle

Es bleibt die Frage, warum es scheinbar unmöglich ist, die Steine 14 und 15 zu tauschen. Wir benötigen einen Unmöglichkeitsbeweis, dem ein extra Post gewidmet werden soll.

Design:  Noyes Palmer Chapman
Erscheinungsjahr: ca. 1874

Google: 15er Spiel Holz15 Puzzle Holz
Shopping: Lieferbar, Preis ca. 10€

Mehr Informationen:
[1] Jerry Slocum, Dic Sonneveld: The 15 Puzzle. Slocum Puzzle Foundation, 2006

Sommerpause 2026

Im Juli und August macht die Welt der Geduldspiele Sommerferien.  Weiter geht's am Mittwoch, dem 2. September 2026 . Bisher entstanden ...